Kurz gesagt: Peptide lagern Sie als gefriergetrocknetes Pulver am besten verschlossen, trocken und lichtgeschützt bei 2 bis 8 °C, für längere Zeit bei −20 °C oder kälter. In Lösung sind Peptide deutlich weniger stabil: Aufgelöstes Material gehört in den Kühlschrank und hält bei den meisten Peptiden Wochen, nicht Monate. Maßgeblich ist immer die Lagerangabe im Analysenzertifikat (COA) der jeweiligen Charge.
Die Lagerung ist der unscheinbarste Teil eines Peptidversuchs und zugleich einer der häufigsten Gründe, warum sich Ergebnisse nicht wiederholen lassen. Ein Fläschchen, das lange warm stand, mehrmals aufgetaut wurde oder monatelang im Licht lag, ist chemisch nicht mehr dasselbe wie am Tag der Analyse. Hier erfahren Sie, was die Stabilitätsforschung dazu sagt und wie Labore damit umgehen.
Wie lange sind Peptide haltbar?
Eine einzige Zahl für alle Peptide gibt es nicht. Die Haltbarkeit hängt von der Sequenz, der Formulierung und den Lagerbedingungen ab. Die Fachliteratur zur Formulierung von Peptiden und kleinen Proteinen kommt aber immer wieder zum selben Ergebnis: Der trockene, lyophilisierte Zustand verzeiht viel mehr als jede Lösung.
Zwei Beispiele aus der Literatur zeigen das. Santana und Kollegen untersuchten ein gefriergetrocknetes Präparat mit dem Wachstumsfaktor EGF und fanden nach 24 Monaten bei 2 bis 8 °C keinen nennenswerten Abbau, ebenso nach 6 Monaten bei 25 °C und 60 % relativer Luftfeuchte. Für das Echinocandin CD101 wurde als Pulver nach 9 Monaten bei 40 °C ein Abbau von unter 2 % berichtet, in wässrigen Puffern dagegen deutlich kürzere Stabilitätszeiträume. Insgesamt berichten Stabilitätsprogramme für gefriergetrocknete Peptide und Proteine von 12 bis 24 Monaten bei Kühlschranktemperatur.
Diese Werte gelten für die untersuchten Präparate, nicht pauschal für jedes Peptid. Verbindlich für Ihre Ware ist die Lagerangabe auf dem Zertifikat der Charge.
Peptide lagern als Pulver: Kühlschrank oder Gefrierfach?
Für die laufende Lagerung reicht der Kühlschrank bei 2 bis 8 °C. Das ist auch die Angabe für die meisten Peptide im PureChems-Sortiment, etwa BPC-157 und Ipamorelin, jeweils lichtgeschützt. Wenn Sie ein Pulver über längere Zeit aufbewahren wollen, ist −20 °C oder kälter üblich.
Diese Regeln haben sich im Labor bewährt:
- Verschlossen lassen: Stopfen und Bördelkappe sind die wichtigste Barriere gegen Feuchtigkeit und Sauerstoff. Öffnen Sie das Fläschchen erst, wenn Sie das Material brauchen.
- Vor dem Öffnen auf Raumtemperatur bringen: Ein kaltes Fläschchen zieht beim Öffnen feuchte Luft an. Das Kondenswasser bringt genau die Feuchtigkeit hinein, die das Gefriertrocknen entfernt hat.
- Dunkel aufbewahren: Getrocknete Peptide können durch Licht abgebaut werden. Im genannten EGF-Versuch verschwand dieser Effekt, sobald ein Umkarton dazukam. Lassen Sie die Fläschchen also in der Schachtel oder stellen Sie sie in einen lichtdichten Behälter.
- Kein No-Frost-Gefrierschrank für lange Lagerung: Geräte mit automatischer Abtauung schwanken bewusst in der Temperatur. Für die Langzeitlagerung ist ein Gerät mit manueller Abtauung besser.
Warum sind Peptide in Lösung weniger haltbar?
Weil Wasser an den wichtigsten Abbauwegen direkt beteiligt ist. Die Hydrolyse spaltet das Peptidrückgrat, die Desamidierung verändert Asparagin und Glutamin, und beides braucht Wasser. Gelöste Moleküle können sich außerdem zusammenlagern (Aggregation) oder an der Gefäßwand haften bleiben. Genau deshalb werden Peptide gefriergetrocknet geliefert.
Fachleute unterscheiden zwei Arten von Stabilität:
- Chemische Stabilität: Ist die Struktur noch intakt, oder wurde die Sequenz durch Hydrolyse, Oxidation oder Desamidierung verändert?
- Physikalische Stabilität: Liegt das Molekül noch im gewünschten Zustand vor, oder ist es aggregiert, ausgefallen oder an der Wand haften geblieben?
Beides kann auseinanderfallen. Eine Probe kann in der Massenspektrometrie die richtige Identität zeigen, obwohl ein großer Teil schon aggregiert ist. Welche Peptide besonders empfindlich sind, hängt von der Sequenz ab: Methionin, Cystein und Tryptophan oxidieren leicht, Asparagin-Glycin-Abschnitte neigen zur Desamidierung.
Wie lagern Sie aufgelöste Peptide richtig?
Angemischte Peptide gelten im Labor als kurzlebige Arbeitslösungen. So halten Sie sie so lange wie möglich stabil:
- Im Kühlschrank aufbewahren: Gelöste Peptide bleiben bei Kühlschranktemperatur meist einige Wochen stabil, nicht Monate.
- Portionieren: Teilen Sie die Lösung direkt nach dem Auflösen in kleine Einzelportionen (Aliquots). So müssen Sie nicht immer wieder dasselbe Fläschchen öffnen oder auftauen.
- Vier Werte notieren: Lösungsmittel, Konzentration, Datum des Auflösens und Lagertemperatur. Ohne diese Angaben lässt sich ein späteres Messergebnis nicht deuten.
- Das passende Lösungsmittel wählen: pH-Wert und Konservierungsmittel beeinflussen die Stabilität.
Viele Labore lösen Peptide in bakteriostatischem Wasser auf. Es enthält 0,9 % Benzylalkohol als Konservierungsmittel, das das Bakterienwachstum hemmt, und kann dadurch länger verwendet werden als reines steriles Wasser. Das Wasser selbst wird bei Raumtemperatur (15 bis 25 °C) gelagert und vor Verunreinigung geschützt. Manche Peptide brauchen allerdings reines Wasser oder eine verdünnte Säure. Was zu welchem Peptid passt, steht in dessen Dokumentation. Wie das Auflösen Schritt für Schritt abläuft, zeigt unser Beitrag Peptide mischen.
Darf man Peptide einfrieren und wieder auftauen?
Einmal einfrieren ist kein Problem, ständiges Auftauen schon. Wiederholte Frost-Tau-Zyklen sind in Stabilitätsstudien ein Standard-Stresstest: Beim Gefrieren entstehen Grenzflächen am Eis, an denen Peptide aggregieren, und im restlichen Wasser steigt die Konzentration gelöster Stoffe. Deshalb frieren Labore Lösungen in Einzelportionen ein und tauen jede Portion nur einmal auf.
Welche Faktoren bestimmen die Haltbarkeit?
Die Stabilitätsliteratur nennt immer wieder dieselben Stellschrauben:
- Temperatur: Abbaureaktionen beschleunigen sich mit steigender Wärme stark. Darauf beruhen beschleunigte Stabilitätstests nach ICH-Richtlinien.
- Restfeuchte: Wasser im gefriergetrockneten Pulver ermöglicht Hydrolyse und Desamidierung. Die Restfeuchte wird deshalb routinemäßig gemessen, zum Beispiel per Karl-Fischer-Titration.
- Licht: Photoabbau ist auch bei trockenen Peptiden belegt.
- pH-Wert und Puffer: Die Stabilität gelöster Peptide hängt stark vom pH-Wert ab.
- Hilfsstoffe: Zucker wie Trehalose, Saccharose und Mannit schützen die Struktur beim Gefriertrocknen und danach.
- Frost-Tau-Zyklen: fördern die Aggregation.
Was gehört in die Dokumentation?
Gute Lagerung ist nur die halbe Arbeit. Damit Sie später nachvollziehen können, was mit einer Probe passiert ist, halten Labore Folgendes fest:
- Zustand der Ware bei Ankunft, einschließlich Verpackung
- Chargennummer, HPLC-Reinheit und Lagerangabe laut Analysenzertifikat
- Datum des Auflösens und alle Temperaturabweichungen, etwa bei einem Ausfall des Gefrierschranks
Bewahren Sie das COA zusammen mit dem Chargenprotokoll auf. Wie Sie Reinheit, Peptidgehalt und Identität auf dem Zertifikat unterscheiden, erklärt unser Ratgeber Peptid-Reinheit: HPLC und COA richtig lesen. Alle PureChems-Peptide werden von einem unabhängigen Labor per HPLC und Massenspektrometrie auf mindestens 99 % Reinheit geprüft, mit einem Zertifikat für jede Charge.
Häufige Fragen zum Lagern von Peptiden
Wie lange hält lyophilisiertes Peptidpulver?
Das hängt von Sequenz, Formulierung und Lagerung ab. Stabilitätsstudien an gefriergetrockneten Peptiden und Proteinen berichten von 12 bis 24 Monaten bei 2 bis 8 °C, bei Raumtemperatur von kürzeren Zeiträumen. Verbindlich ist die Angabe auf dem COA der Charge.
Wie lange ist ein angemischtes Peptid haltbar?
Bei den meisten Peptiden einige Wochen im Kühlschrank. Notieren Sie das Datum des Auflösens und verwenden Sie die Lösung innerhalb des Zeitraums, den die Stabilitätsdaten nennen.
Müssen Peptide in den Kühlschrank?
Für die laufende Lagerung ja, bei 2 bis 8 °C und lichtgeschützt. Für längere Aufbewahrung frieren Labore das trockene Pulver bei −20 °C oder kälter ein.
Warum soll ich das Fläschchen vor dem Öffnen aufwärmen lassen?
Weil sich an kaltem Pulver sofort Kondenswasser bildet. Diese Feuchtigkeit beschleunigt den Abbau.
Wie lagere ich bakteriostatisches Wasser?
Bei Raumtemperatur zwischen 15 und 25 °C und geschützt vor Verunreinigung. Mehr dazu im Beitrag Bakteriostatisches Wasser kaufen.
Nur für Forschungszwecke. Nicht für den menschlichen oder tierischen Verzehr.